Rainer Maria Rilke "Das Marienleben"
Wien [ENA] Mit seiner manchmal herben Lyrik fühlt sich der altösterreichische Lyriker Rainer Maria Rilke in seinem knappen Gedichtzyklus "Das Marienleben" in das verführerisch - himmlische Thema der Muttergottes ein, in dem er einerseits eintaucht in ihre christlich metaphysische Bedeutung, andererseits sich liebevoll dieser "rührenden" Gestalt nähert, die nach ihrer Himmelfahrt sogar die Engel in Staunen versetzte.
"Da brach aus ihrem Sein ein Hinterhalt von solchem Glanz, dass der von ihr erhellte Engel aufschrie: Wer ist die?" schreibt Rilke in den "drei Stückchen vom Tode Mariä". In welcher außerordentlichen lyrischen, wenn nicht religiösen Stimmung der Dichter im Winter im Jahr 1911 gewesen sein muss während seines Aufenthaltes auf Schloss Duino, zeigt nicht nur "Das Marienleben", das er innerhalb weniger Tage schrieb, sondern auch die ersten "Duineser Elegien", die unmittelbar danach entstanden sind. Chronologisch beginnt das Werk natürlich mit ihrer Geburt im Hause Joachims, das poetisch durch ein Engelmotiv überhöht wird. In der "Darstellung Mariä im Tempel" wählt Rilke vielleicht sogar eine von der bildenden Kunst beeinflusste Sprache.
Die als spannende Metapher für ein Raumereignis stehen könnte, "wo Bogen voll Gefahr den Abgrund eines Raumes überbrücken, der in dir blieb". Aber ohne von der Mächtigkeit des Tempels beeindruckt zu sein, "kam sie und hob den Blick, um dieses alles anzuschauen." Die Verkündigung ihrer Gottesmutterschaft durch einen Engel ist wohl die bekannteste Geschichte im Neuen Testament, aber Rilke fasst sie doch noch etwas anders, wenn er die Blicke, die sich im Moment der Begegnung treffen, u.a. mit den Worten beschreibt "draußen war dann plötzlich alles leer". In den Versen "Geburt Christi" lässt sich Rilke eigentlich nicht vom üblichen "Weihnachtszauber" beeinflussen, sondern gibt Maria, in einer etwas spröden Lyrik, sogar philosophische Bedeutung




















































