Freitag, 20.05.2022 13:31 Uhr

"Unter den Augen des Staates" Massimo Bognanni

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 27.04.2022, 22:15 Uhr
Presse-Ressort von: Dr.Schura Euller Cook Bericht 3839x gelesen

Wien [ENA] So schwierig es ist für viele ihr Geld zu verdienen, so fantastische Möglichkeiten gibt es für jene, die nahe an den Geldflüssen der Finanz sind und dabei sehr wohl Schwachstellen entdecken können, die ihnen durch ausgeklügelte Strategien astronomische Summen auf ihr Bankkonto spülen. So war es auch bei einem der größten Bankenskandale der Nachkriegsgeschichte in Europa, bekannt unter dem Namen Cum-Ex-Geschäfte.

Der deutsche Journalist Massimo Bognanni hat dazu das Buch "Unter den Augen des Staates: Der größte Steuerraub in der Geschichte der Bundesrepublik" geschrieben und geht davon aus, dass allein in Deutschland ungefähr 31 Milliarden Euro Steuergeld unrechtmäßig von Banken, Aktienhändlern, Steuerberatern und Anwälten mit Cum-Ex-Geschäften vereinnahmt wurden. Das Problem sieht Bognanni dabei, dass der deutsche Staat und seine Institutionen jahrzehntelang versagt haben, um den Missbrauch von Dividendenstripping festzustellen und gesetzlich gegen die mehrfache Rückerstattung der nur einmal gezahlten Kapitalertragssteuer vorzugehen. Das Problem bestand auch darin, dass Finanzexperten überzeugt waren, dass diese Praxis eigentlich legal sei.

Massimo Bognanni hat den Skandal zu einem spannenden Buch verarbeitet und wichtige Personen wie die Staatsanwältin Anna Brorhilker, den hessischen Staatskommissar August Schäfer zuständig für die Börsenaufsicht oder den beschuldigten Anwalt Hanno Berger in ihrem Lebensumfeld, Charakter und beruflicher Tätigkeit eingehend beschrieben. Interessant ist, dass die Cum-Ex-Geschäfte in der Bankenwelt seit Jahren ein offenes Geheimnis waren und von vielen Banken praktiziert wurden. Nichtsdestotrotz hat das Oberlandesgericht Frankfurt 2021 Cum-Ex-Geschäfte als gewerbsmäßigen Bandenbetrug eingestuft und damit festgelegt, dass es sich nicht um eine legale Ausnutzung eines Steuerschlupfloches handelt, sondern um eine strafbare Steuerhinterziehung.

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