Dienstag, 29.09.2020 15:37 Uhr

"Ist der Mensch gut"? fragt Kant

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 23.04.2020, 18:30 Uhr
Presse-Ressort von: Dr.Schura Euller Cook Bericht 5275x gelesen

Wien [ENA] In seinem philosophischen Entwurf "Zum ewigen Frieden" hat Immanuel Kant darüber nachgedacht, ob man das menschliche Geschlecht im ganzen lieben kann, oder hassen muss. Auch heute findet man in den sozialen Medien immer wieder die Bezeichnung "Bestie Mensch" um damit einen Ausdruck für die schrecklichen Grausamkeiten gegen Menschen und Tiere zu finden. Das zeigt, dass die Frage vom Jahre 1795 noch immer aktuell ist.

Wie hat er versucht sie zu beantworten und was können wir dazu sagen? Kant antwortet mit einer Frage, nämlich "sind in der menschlichen Natur Anlagen, aus welchen man ableiten kann, dass die Menschen immer besser werden"? Er argumentiert weiter, "wenn wir das annehmen, können wir die Gattung wenigstens in ihrer beständigen Annäherung zum Guten lieben" Fall wir das nämlich nicht annehmen, müssten wir die Menschen verachten oder hassen. Aber können wir als Menschen die Menschen hassen ohne in die tiefste Verzweiflung zu geraten? Kant zitiert in diesem Zusammenhang eine Auseinandersetzung zwischen dem Philosophen Moses Mendelsohn und dem Dichter Lessing, der von einer "göttlichen Erziehung des Menschengeschlechts sprach.

Mendelsohn war anderer Meinung und behauptete, "die Menschheit behält in allen Perioden der Zeit ungefähr dieselbe Stufe der Sittlichkeit, dasselbe Maß von Religion und Irreligion oder von Tugend und Laster." Kant argumentiert anders. Interessanterweise benützt er jetzt das Beispiel einer Theateraufführung. Er fragt, wie würde ein Theaterstück erlebt werden, wenn ein Gott als Regisseur die Schauspieler rettet, nur um sie dann immer wieder in den Sumpf des Bösen fallen zu lassen. Eine Weile könnte dieses Trauerspiel rührend und belehrend sein, aber irgendwann muss doch der Vorhang fallen. Kant geht sogar so weit zu sagen, dass so ein Welttheater der Moralität eines weisen Welturhebers unwürdig wäre. Können wir ohne Hoffnung leben?

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