Dienstag, 29.09.2020 17:08 Uhr

"Gedanken zu Helmuth Graf von Moltke"

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 25.04.2020, 18:42 Uhr
Presse-Ressort von: Dr.Schura Euller Cook Bericht 5599x gelesen

Wien [ENA] Nichts könnte so interessant für viele der "gelangweilten" Wohlstandskinder in den "satten" westlichen Ländern sein, als ältere Reiseberichte zu lesen, die beschreiben, wie unwahrscheinlich karg, schwer und grausam das Leben für viele Menschen war und ist. Helmuth Graf von Moltke hat so einen Bericht geschrieben. "Unter dem Halbmond" Briefe und Begebenheiten aus der Türkei aus den Jahren 1835 - 1839.

Diese Berichte zeigen sehr eindrucksvoll die türkisch beherrsche Welt, die in der Auflösung und Veränderung begriffen war. Von Moltke ist kein Unbekannter in der deutschen Politik Geboren 1800, trat er 1823 in die preußische Armee ein und wurde 1832 in den großen Generalstab versetzt. Für Österreich ist Moltke leider auch "unvergesslich", denn er führte 1866 die entscheidende Schlacht bei Königsgrätz, die den Krieg für Deutschland entschied. Moltkes Reisebericht, den er auf Einladung des osmanischen Kriegsministers Mehmed Pascha schrieb, ist in vieler Hinsicht faszinierend. Gut geschrieben und mit einem Blick für interessante Details. Wie schwierig das Reisen damals war, lässt sich heute kaum erahnen.

Halsbrecherische Ritte in den unwegsamsten Gegenden, Mangel an Herbergen, Nahrung und Kälte begleiteten ihn oft. Daneben aber auch wieder die Pracht alter Städte wie Konstantinopel , opulente Einladungen und überwältigende Naturschönheiten. Beklemmend ist die Armut in der Walachei, die er beschreibt. "Die Physiognomie dieses Landes trägt die furchtbarsten Spuren einer langen Knechtschaft. Die Anzüge der Männer waren alle zerlumpt und die Frauen schlichen tief verhüllt wie Gespenster umher." Auch über die Sitte, Frauen ihr ganzes Leben hinter vergitterten Fenstern einzusperren, machte sich Moltke Gedanken und bemerkt lakonisch," es ist sicherlich bequemer der einzige Mann zu sein, den die Frau sieht, als unter vielen der liebenswürdigste."

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