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Der „Kältegang“ kommt auch bei 40 Grad im Schatten

Verantwortlicher Autor: Sandra Schillberg Leverkusen, 31.07.2019, 21:21 Uhr
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Essensausgabe für die Obdachlosen
Essensausgabe für die Obdachlosen   Bild: Sandra Schillberg

Leverkusen [ENA] Im November 2018 startete Deniz P., die lieber Didi genannt wird, einen Aufruf im „Nettwerk Leverkusen“ auf Facebook. Ihr Ziel war es, den obdachlosen Mitbürgern der Stadt die Kälte des Winters erträglicher zu machen und sie mit Kleidung und warmen Getränken zu versorgen.

Acht Monate später laufen Didi und die anderen Helfer nicht mehr durch die Fußgängerzone mit ihren Bollerwagen, sondern haben ihren festen Platz auf dem Marktplatz. Wie jeden Mittwoch stehen auch in dieser Woche die Helfer vom „Kältegang Leverkusen – ehrenamtliche Obdachlosenhilfe“ bei über 40 Grad auf dem Marktplatz und verteilen neben einer von Moni liebevoll gekochten Mahlzeit Getränke, Kaffee, Kuchen, Obst und Joghurt. Für heute stehen Hähnchen mit Reissalat und einem grünen Salat auf dem Tisch, wofür Moni 5 Stunden in der Küche gestanden hat.

Hähnchen, Reis- und Blattsalat für die Obdachlosen

Didi, wer steckt hinter dem Kältegang und was macht ihr? "Wir sind ein kleines Team aus 5 festen Personen und einigen Helfern, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, den obdachlosen Mitmenschen in Leverkusen unter die Arme zu greifen." Was hat den Auslöser gegeben nicht nur zu sagen wir müssen was machen, sondern dann auch wirklich etwas zu tun? "Es war mir schon lange ein Bedürfnis etwas vor meiner Haustür zu tun. 2016 und 2017 gab es schon mal den Versuch ein Paar Leute zu mobilisieren, jedoch kam dies leider nicht zustande."

Warum glaubst du, sehen so viele Menschen weg wo Hilfe gebraucht wird? "Vielleicht um nicht mit der Realität konfrontiert zu werden. Viele blenden das Leid, welches Rechts und Links herrscht, einfach aus damit sie nicht in den Zwang geraten etwas zu ändern." Haben die Obdachlosen eure Hilfe direkt angenommen? "Zu Beginn waren einige etwas zögerlich und mussten erst noch Vertrauen fassen. Doch mittlerweile hat sich die Hilfe herumgesprochen und wir genießen das Vertrauen Vieler."

Bekommt ihr Unterstützung von Seiten der Stadtverwaltung? "Nein, wir finanzieren das Ganze durchprivate Spenden, ohne finanzielle Hilfen des Staates bzw. der Stadt. Jedoch haben wir eine Sonderstandgenehmigung bekommen, wofür wir wirklich dankbar sind." Auf eurer Facebookseite kann man lesen, dass ihr ein „mildtätiges Projekt des „Make it happen e. V.““ seid, was genau bedeutet das? "„Make it happen e.V.“ ist ein Verein welcher es sich zur Aufgabe gemacht hat, kleineren gemeinnützigen oder mildtätigen Projekten eine Möglichkeit zu bieten alle Vorzüge eines Vereins zu genießen ohne sich selbst dafür mit der ganzen verbundenen Bürokratie abmühen zu müssen."

Wurde eure Gutmütigkeit schon einmal ausgenutzt? "Ja das wurde sie. Doch man lernt daraus und zieht seine Konsequenzen." Was macht ihr um das zu verhindern? "Wir lassen uns mittlerweile nachweisen, dass jemand tatsächlich ohne festen Wohnsitz ist. Das ist zum Beispiel auf dem Ausweis ersichtlich. Sollte jemand keinen Ausweis besitzen, dann vertrauen wir auf die Aussage unserer Gäste welche uns schon von Beginn an besuchen."

Ihr versorgt Woche für Woche die Obdachlosen mit Essen und Kleidung, das ist nicht nur logistisch eine Herausforderung. Wie könnt ihr das finanziell bewältigen? "Wir finanzieren uns über Spenden aus der Umgebung. Seien es Lebensmittel, Sachspenden oder finanzielle Mittel. Wir kommen derzeit nur sehr knapp über den Monat, erhoffen uns allerdings, dass wir in kürze vielleicht ein kleines Polster ansparen können um auch besser und schneller helfen zu können."

Wie kann man euch unterstützen und was wird am dringendsten gebraucht? "Spenden um die Gänge finanzieren zu können. Zum Beispiel Einkaufgutscheine, Geld usw. Lagerfläche gegen Spendenquittung und vielleicht ein Fahrzeug in Größe eines Transits, welches man 1 bzw. im Winter 2x die Woche für 4-5std pro Gang zur Verfügung stellt. Denn es ist einfach ein riesen Aufwand alles in die kleinen Wagen zu laden und einiges was wir gerne zur Verfügung stellen möchten ist einfach aufgrund der mangelnden Transportmöglichkeiten nicht machbar."

Logistikschwierigkeiten
Auch hier wird dringend Hilfe gebraucht

Wer den Kältegang unterstützen möchte kann per Facebook auf https://www.facebook.com/kaeltegang/ oder per Email an kaeltegang-leverkusen@gmx.de Kontakt mit Didi aufnehmen. Mit dieser Email Adresse sind auch direkt Spenden via PayPal an den Kältegang möglich. Es geht nicht allen Menschen gut und jede noch so kleine Unterstützung kann helfen, ein wenig Lebensqualität zurück zu geben.

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