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Photographien eines Meisterfotografen aus Litauen

Verantwortlicher Autor: Stefanie Bettinger Mannheim, 21.08.2019, 21:18 Uhr
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Antanas Sutkus — Fotograf von Menschen aus Litauen
Antanas Sutkus — Fotograf von Menschen aus Litauen  Bild: © Jurga Graf 2015

Mannheim [ENA] Ab 7.September zeigt Zephir-Raum für Fotografie in den Reiss-Engelhorn-Museen (rem) die Foto-Schau "Antanas Sutkus. KOSMOS". Der litauische Meisterfotograf hat von den späten 1950er Jahren an die Menschen seines Heimatlandes fotografiert und damit ein Bild seiner Zeit und seines Landes dokumentiert.

Im Jahr 2018 feierte Litauen das 100-jährige Jubiläum der ersten staatlichen Unabhängigkeit. Anlässlich dieses Geburtstages eröffnete die Nationalgalerie Litauen im November in Vilnius die große Überblicksschau "Antanas Sutkus. KOSMOS", die bis Ende Januar 2019 zu sehen war. Die Foto-Ausstellung war ein Geschenk der Länder Litauen, Frankreich und Deutschland zur Wiedergründung der Republik Litauen. Eine Werk-Schau mit Photographien von Antanas Sutkus öffnet jetzt in Mannheim ihre Türen. Anschließend zeigt Paris das Œuvre des litauischen Meisterfotografen, der oft mit dem legendären Fotografen Henri Cartier-Bresson verglichen wird.

Jean-Paul Sartre in Nida, 1965. © Antanas Sutkus

Ende der 1950er Jahre begann Antanas Sutkus (*1939) die Menschen seines Heimatlandes Litauen zu fotografieren, das zu damaliger Zeit eine besetzte sowjetische Teilrepublik war. Der Fotokorrespondent arbeitete für litauische Zeitungen und Magazine und war Mitbegründer der Union litauischer Kunstfotografen. Als 26-jähriger fotografierte er Berühmtheiten wie Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir auf den Dünen der Kurischen Nehrung. Die Photographien gehören zu den bekanntesten Aufnahmen seines Repertoires. Sie sind bei einer Reise der beiden Intellektuellen durch die Sowjetunion und damit auch durch Litauen im Jahre 1965 entstanden.

Die Retrospektive in Mannheim stellt an die 200 ausgewählte Arbeiten des Fotografen aus. Seine Schwarz-Weiß-Photographien zeigen die Menschen, das Land, die Trauer und die Freude, den Himmel und das Wasser, Einsamkeit, Alter, Freude und Spiel mit einer Authentizität, die seinem Oeuvre eine überraschende Neubewertung bieten. Antanas Sutkus gehört zu den großen humanistischen Fotografen Europas und der Welt. Die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) verlieh ihm 2017 den Dr.-Erich-Salomon-Preis, mit dem die vorbildliche Anwendung der Photographie in der Publizistik ausgezeichnet wird.

Marathon in Universitates Street, 1959. © Antanas Sutkus

Jahrzehntelang arbeitete Sutkus an einem Zyklus, den er schlicht und einfach "Menschen aus Litauen" betitelte. Viele seiner Schwarz-Weiß-Aufnahmen lassen sich als Dokumentation des Lebens in seiner Heimat auffassen. Zu Zeiten des Kalten Krieges war sein Unterfangen weder von der Obrigkeit noch von der Kunstbürokratie gewollt. Sutkus` Bild der Menschen und der Gesellschaft entsprach nicht dem sowjetischen Ideal, denn es „zeigte die Widrigkeiten des Lebens“ oder dessen „bescheidene Freuden“, heißt es in einem Einführungstext zur Biographie des litauischen Fotografen. Im Jahr 2001 erhielt Sutkus ein Hasselblad-Stipendium zur Aufarbeitung seines 700.000 Negative umfassenden Bildbestands, aus dem er immer noch neues Bildmaterial hervorholt.

ZEPHYR – Raum für Fotografie zeigt vom 7. September 2019 bis 26. Januar 2020 im Museum Zeughaus C5 der Reiss-Engelhorn-Museen (rem) die Foto-Schau "Antanas Sutkus. KOSMOS". Die begleitende Publikation "Antanas Sutkus. Planet Lithuania" aus dem Steidl Verlag, Göttingen 2018 (hg. von Thomas Schirmböck) ist mit einem Text von David Campany in vier Sprachen für 38 Euro erhältlich. www.rem-mannheim.de

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