Dienstag, 13.04.2021 12:44 Uhr

Othmar Peter Hartmann "Allegorie"

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 21.02.2021, 19:23 Uhr
Presse-Ressort von: Dr.Schura Euller Cook Bericht 3596x gelesen
Othmar Peter Hartmann
Othmar Peter Hartmann "Allegorie" Federzeichnung" 1973  Bild: Schura Euller Cook

Wien [ENA] Eine eigenartige, etwas beklemmende, aber märchenhafte Federzeichnung aus dem Jahr 1973 ist dieses Mutter-Kind-Motiv, das aber in seiner "Gottverlassenheit" eine Ausnahme bei Othmar Peter Hartmann (1898 - 1973) darstellt, der in seinen Madonnendarstellungen meistens theistisch interpretierte.

Was will uns der Künstler mit diesem Märchen oder Allegorie sagen? Eine Fülle von Lebewesen wirken und weben im Augenblick existenzieller Befindlichkeit darin. Die Bilddramaturgie inszeniert ein Empfinden beklemmender Satire, die in eine Parodie abzugleiten droht. In der Mitte des Bildes befindet sich dieses übergroße, kamelartige Fabelwesen auf dem eine junge Frau mit Kind reitet, das sie, wie eine Beute, mit überlangen Fingern an sich presst. Geführt wird das Reittier von einem Mann in einem halb orientalischen, halb harlekinartigen Kostüm, der mit erhobenem Zeigefinger voranschreitet. Beobachtet wird diese kleine Gruppe von unzähligen Wesen, die versteckt oder sichtbar an dem Schauspiel teilhaben wollen.

Hier hat sich das bekannte Mutter-Kind-Motiv in etwas Schauerliches verwandelt. Die Bildrealität hat eine neue Welt geschaffen, in der Verzerrungen als Symbol für die Moderne interpretiert werden können. Die Allegorie, die als verschleierte Sprache oder indirekte Aussage betrachtet wird, arbeitet mit Zeichen und Symbolen. In der bildenden Kunst tritt sie als Personifikation auf und ist künstlerischer Ausdruck, der auf Deutung hin konstruiert ist und eine bewusste oder unbewusste Assoziation erfordert. Im Mittelalter diente die Allegorie moralisch - theologischen Zwecken, wie zum Beispiel der Darstellung von Tugenden oder Sünden. Othmar Peter Hartmann antwortet auf seine Weise auf diese Tradition mit einer meisterhaften Federzeichnung.

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