Donnerstag, 02.12.2021 17:38 Uhr

Künstlerhaus Wien "Dispossession"

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 29.10.2021, 19:11 Uhr
Presse-Ressort von: Dr.Schura Euller Cook Bericht 4972x gelesen

Wien [ENA] Man kommt nicht umhin, den Katalog der Ausstellung "Dispossession" im Künstlerhaus Wien mit Verwunderung zu lesen. Fast ist es so, als wäre man im falschen Film, denn darin geht es nicht wirklich um Kunstwerke, sondern um Dialoge und Analysen von Archivar*innen, Kurator*innen, Künstler*innen oder Historiker*innen, die die Geschichte des Künstlerhauses vor, während und nach der NS-Zeit recherchierten.

Dass natürlich das Sittenbild der damaligen Zeit zu Schuldzuweisungen führt und den heutigen ideologischen Ansprüchen und Werten nicht gerecht wird, ist verständlich. Aber genau das ist der Punkt. Warum sollte es auch unseren Wertvorstellungen genügen? Nehmen wir nur das Thema Frauen, denen bis 1961 die Mitgliedschaft im Künstlerhaus verweigert wurde. Aus der Sicht von heute, ist das fast unvorstellbar, aber damals passte es in das gesellschaftliche Gefüge. Es geht darum, ob wir berechtigt sind, nachträglich so zu urteilen als lebten wir in den besten aller Zeiten. Zweifellos wird auch unsere Zeit einmal von den nachkommenden Generationen bewertet werden. Und es ist abzusehen, dass unsere Zerstörungswut in vieler Hinsicht kongenial ist.

Zwar ist sie anders, aber nicht unbedingt besser. Was den Ausschluss nicht-arischer Künstlerhaus-Mitglieder zwischen 1938-1945 betrifft und dem sogenannten "Wegschauen" der anderen Künstler, berührt das die Ungeheuerlichkeit der hysterischen Rassenpolitik und die des Totalen-Krieg-Wahns. Dahinter versteckte sich auch die tiefsitzende Obrigkeits-Angst, die durchaus auch noch heute zu eigenartigen Anpassungsritualen führt. Ob man Künstler wie Rudolf Eisenmenger nicht eher an seiner Kunst, als an seinem Jahrgang messen sollte, bleibt dahingestellt. Die Nachkriegszeit war geprägt von Hunger und Armut und da spendeten seine an der Klassik orientierten Werke Trost und Hoffnung und drückten Liebe für das Schöne aus.

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