Mittwoch, 28.10.2020 20:55 Uhr

Gedanken zu Lorenzo Da Ponte

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 17.08.2020, 17:30 Uhr
Presse-Ressort von: Dr.Schura Euller Cook Bericht 4814x gelesen

Wien [ENA] Nirgendwo als in der Literatur, besonders aber auch in der Oper, kann das Unerhörte so genussvoll hörbar werden und Sprache dem Lasterhaften, Frivolen und Gemeinen so elegant Ausdruck geben. Denn normalerweise hat das Böse keine Sprache, denn "böse Menschen haben keine Lieder".So ist es die Oper und das Theater, das uns Intrigen, Lügen und List eindrucksvoll erlebbar machen. Lorenzo Da Ponte war so ein Meister.

Er verstand es in seinen Opernlibretti dieMoral zu demaskieren und menschliche Eitelkeiten und Abgründe sichtbar zu machen. Verwegen, dreist, frech und von einer genialen dämonischen Wollust beseelt, spinnen Don Giovanni und Leporetto ihre dunklen Intrigen. Auch wenn DonGiovanni am Ende der Oper für seine Frevel vom "steinernen Gast" in die Hölle gestossen wird, bleibt noch ein Rest an Zweifel für den Opernbesucher zurück. Hat man in seinem Leben etwas versäumt, wenn man zu "brav" gewesen ist? Gehört die Welt den Sündern, die, wie Don Giovanni noch jede Menge Spass und Lust dabei haben? Kierkegaard sieht in ihm den ewigen Verführer. Als Archetypus ist er keine Ausnahme und damit auch kein moralisches Dilemma mehr, sondern schon Prinzip.

Auch Mozarts Musik, die oft darin an's Äußerste geht, spiegelt in vieler Hinsicht das Erschreckende dieser Thematik wieder. Gerade der Versuch damit einer "opera buffa" gerecht zu werden, wirft Licht auf die hybride moralische Grundtendenz, die zwischen Ernst und Lächerlichkeit schwankt. Auch Da Ponte war eine äußerst interessante Künstlerpersölichkeit. Geboren 1749 bei Venedig, wurde er 1773 zum katholischen Priester geweiht. Bald enttäuscht von der Kirche, begann er ein wildes, dramatisches Leben zwischen Literatur, revolutionären Interessen, zahllosen Liebesaffären, Skandalen und einer Flucht aus Venedig. 1782 kam er nach Wien und lernte bald Musikgrößen wie Mozart und Salieri kennen, für die er seine hinreißenden Libretti schrieb.

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