Donnerstag, 21.10.2021 10:07 Uhr

Gedanken zu Hermann Hesse

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 11.08.2021, 21:27 Uhr
Presse-Ressort von: Dr.Schura Euller Cook Bericht 2458x gelesen

Wien [ENA] Hermann Hesses Sprache verwundert und verführt. Wer schon einmal die Reden des Buddhas gelesen hat und dabei in die so ganz anders empfundene Sprachmelodie eingetaucht ist, wird bei dem deutsch-schweizerischen Dichter (1877-1962) diese, wie aus einer anderen Welt leuchtenden Sprache, stellenweise wiederentdecken. Hesse hat mit seinen Büchern weltweit Begeisterung ausgelöst und dafür 1946 den Nobelpreis erhalten.

Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg haben westliche Jugendliche Hesse für sich entdeckt. Das verwundert auch nicht, denn seine Werke wie Siddharta, Steppenwolf oder das Glasperlenspiel sind auch Entwicklungsromane. Immer ist es ein Suchender der oder die verloren zwischen sinnlichen und geistigen Freuden und Leiden ist. Die Tradition des Bildungsromans, in der ein Meister einem jungen Menschen den Weg durch die Welt und zu sich selbst weist, ist ein wiederkehrendes Thema bei Hesse. Indische Weisheitslehren und christliche Mystik sind dabei wesentlich. Im Siddharta sind Askese und Weltflucht nur Stadien dieses Suchens. Begeistert schreibt Henry Miller, "Siddharta ist für mich eine wirksamere Medizin als das Neue Testament."

Und Volker Zotz sieht im Siddharta "einen modernen europäischen Individualisten mit seinem Mißtrauen gegenüber Dogmen und Institutionen." Siddharta ist sicherlich auch das Ergebnis langjähriger Indien- und Chinastudien. Tief ist Hermann Hesse in den Geist des Ostens eingedrungen. Doch wie er in seinem Tagebuch 1921 vermerkte, ist ihm die chinesische Philosophie des Laotzi näher als der Buddhismus oder Hinduismus. Dieser eigenartige Synkretismus, diese Vermischung von verschiedenen Lehren und Religionen, hat vielleicht auch dazu geführt, dass der Siddharta in seiner "Gefälligkeit" Elemente des Kitsches theatralisch überhöht und die krassen Übergänge im Kapitelaufbau lassen einen leichten süßlichen Geschmack der Unglaubwürdigkeit zurück.

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