Donnerstag, 02.12.2021 17:02 Uhr

Gedanken zu Georg Trakl

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 04.11.2021, 14:41 Uhr
Presse-Ressort von: Dr.Schura Euller Cook Bericht 4384x gelesen

Wien [ENA] Der österreichische Lyriker Georg Trakl starb am 3. November 1914 erst 27jährig im Lazarett von Krakau durch Selbstmord. In Gódeck, wo ihn als Sanitätsleutnant der ganze Schrecken des Krieges in Verzweiflung stürzte, schrieb er sein letztes Gedicht: "Alle Straßen münden in schwarzer Verwesung. Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen...."Trakl starb zur Zeit von Allerseelen und Allerheiligen Anfang November.

Es ist eine Zeit, in der viele Menschen der Toten gedenken. Nach dem Feuerwerk an Farben, dass die Herbstwälder im Oktober erglühen lässt, breitet sich das Grau und Schwarz des kommenden Winters unaufhaltsam aus. Ein Übergang, dessen Strenge und Unbarmherzigkeit Trakl nachempfunden und versucht hat in seinen Gedichten existentielles Gewicht zu geben. Tod, Verfall und Untergang sind Teil seiner schöpferischen Dialektik, die sich zwischen Sehnsucht, Wollust und Vergänglichkeit bewegt. Damit baut er eine unerhörte ästhetische Spannung auf, die sich stolz und unbeugsam der Verführung widersetzt. "Ringsum ist Felseneinsamkeit/ des Todes bleiche Blumen schauern...." schreibt er im Gedicht "St. Peters Friedhof".

Sein Spiel mit der Idylle endet immer wieder mit der Rückbesinnung auf das Grauenhafte, dass dem Paradiesischen bei ihm letztendlich seine Form und seinen Zauber gibt. Dass seine expressionistische Dichtung der Nachwelt erhalten ist, verdankt sie auch Ludwig von Ficker, der ihre Bedeutung geschätzt hat und Trakls Gedichte ab 1912 in seiner renommierten Halbmonatszeitschrift "Der Brenner" regelmäßig veröffentlicht hat. Danach erst erschien 1913 im Kurt Wolff Verlag die Sammlung "Gedichte" und die Bekanntschaft zu Karl Kraus, Adolf Loos oder Oskar Kokoschka machte Georg Trakl Teil jener Künstler*innen, die exemplarisch für die Ideen ihrer Epoche stehen.

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