Montag, 28.09.2020 05:19 Uhr

"Die Tagebuchblätter" von Christomanos

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 05.07.2020, 22:15 Uhr
Presse-Ressort von: Dr.Schura Euller Cook Bericht 6009x gelesen

Wien [ENA] Constantin Christomanos, ein griechischer Historiker, Lyriker und Dramatiker, hat 1898 die "Tagebuchblätter" publiziert und darin ein ganz besonders literarisches Vermächtnis der Nachwelt hinterlassen, nämlich seine Gesprächsnotizen mit Elisabeth von Österreich - Ungarn aus den Jahren 1891 bis 1894. Als Philosophie-Student in Wien wurde er durch Vermittlung als Griechischlehrer und Vorleser der Kaiserin berufen.

Angeblich war das erste Treffen mit der über fünfzig Jahre alten Kaiserin für den jungen Studenten "Liebe auf den ersten Blick" und inspirierte ihn zu poetischen Höhenflügen. Das erste lange Gespräch beschreibt er als "gleichsam in einer dichten Wolke von etwas unsäglich Beglückendem" und "Rein und hell und wie in musikalischen Fugen spricht sie, doch nur langsam und leise. Als wäre ich in der Nähe einer einsamen Quelle, die heimlich in langsamen Klagen rieselt."Wie Renate Daimler in ihrem Buch "Frei sollen die Frauen sein" hervorhebt, war Christomanos auch ein Begleiter der Kaiserin auf ihren langen Spaziergängen und auf ihren Reisen. Die Seelenverwandtschaft der beiden führte dazu, dass Elisabeth sehr viel von ihretr Weltsicht preisgab.

Christomanos verehrte sie und schrieb jedes Gespräch mit ihr abends in sein Tagebuch. Die philosophische Grundhaltung Elisabeths zeigte vielleicht eine gewisse "ironische" Distanz zur Welt, gleichzeitig aber eine tiefe Sehnsucht nach Wahrheit, Ästhetik und Natur. Christomanos erinnerte sich an folgende Worte, "Das Leben hat nur den einen Zweck, in seiner jeweiligen Form überwunden zu werden, wie eine Krankheit...Deshalb müssen wir nach Mögglichkeiten trachtenn, wenigstens einige Augenblicke zu erretten, an welchen wir, jeder nach seiner Art, in unser eigenes Leben kommen können....Ich bin wie ein Sturmvogel: ich lasse alle Segeltücher abnehmen, um den Anblick der zornigen Wellen nicht zu entbehren."

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