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Ausstellung "Der Hausfreund" der Universitätsgalerie Wien

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 03.05.2019, 14:52 Uhr
Presse-Ressort von: Dr.Schura Euller Cook Bericht 5164x gelesen

Wien [ENA] Im malerisch gelegenem Heiligenkreuzerhof, ein Juwel früher und barocker Baukunst in der Wiener Innenstadt, hat die Universität für angewandte Kunst Räumlichkeiten, die ehemals von Äbten des Stift Heiligenkreuz benützt wurden, zur Verfügung. Wo vielleicht einst gewichtige geistliche Herren gewohnt und gebetet haben, wird heute ein ganz anderer Gott, eine ganz andere Göttin, angebetet, nämlich die holde Kunst.

Ist sie noch hold und lieblich, oder schon längst chamäleonartig verwandlungsfähig, einmal abscheuliche Fratze, ein andermal freundliche Gespielin. Ausgehend von einem umfangreichen Bestand präsentiert die Angewandte vom 30.4 - 1.6.2019 in der Ausstellung "Der Hausfreund" den Künstler Friedrich von Berzeviczy-Pallavicini (1909 - 1989) , einst schillernde Figur im Umfeld der Wiener Kunstgewerbeschule. Er war der Andere! Im Kontrast zur disziplinierten Ästhetik der Wiener Werkstätte, hinterließ Pallavicini Werke mit einer dekorativen und eigenwilligen Formensprache. Richtig spannend wird die Schau im Dialog mit Werken zeitgenössischer internationaler Künstler und Künstlerinnen.

Was den Titel der Ausstellung "Der Hausfreund" betrifft, gibt es dazu ein nettes Detail. Er bezeichnet sowohl eine Mehlspeise, die der Künstler für die Konditorei Demel als Figur gezeichnet hat, als auch die Begeisterung für exzentrische Wohnraumgestaltungen. In dem Konflikt zwischen "Ornament und Askese" als Gegenstand gestalterischer Diskussionen zwischen Tradition und Moderne, steckt mehr als nur ein abgehobener kunsttheoretischer Diskurs. Das sind auch schwerwiegende Richtungsentscheidungen der kulturellen Entwicklung gewesen, die künstlerisch mitentschieden wurden. Berzeviczy-Pallavicini steht für eine "andere Moderne", ein Motiv, das sich auch immer wieder in Arbeiten zeitgenössischer Künstler ausdrückt.

Etwa in Werken von Florine Stettheimers, Cecil Beatons oder des frühen Andy Warhol. Diesen Konflikt thematisiert auch Ulrike Müller (1971) die sich mit Stereotypen der Moderne beschäftigt. Ihr Interesse gilt selten gezeigten und teilweise aus dem modernen Kanon verdrängten Positionen, die oftmals als ornamental, folkloristisch oder dekorativ abgewertet wurden.Und doch hat sie ihre ganz eigenartige Formensprache damit umzugehen. Zerstörerisch, irritierend, kritisch, aggressiv. Irgendwo überheblich, sich ihrer technisch-kulturellen Überlegenheit bewusst, andererseits kindlich spielend, überwältigt von einer Welt der Moderne, deren Zerstörungskräfte, aber auch Verführungskünste, wie ein drohendes Damoklesschwert über der Gegenwart hängen.

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