Montag, 28.09.2020 03:31 Uhr

Annette von Droste-Hülshoff

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 25.05.2020, 07:52 Uhr
Presse-Ressort von: Dr.Schura Euller Cook Bericht 7372x gelesen

Wien [ENA] Wenn Sprache in die Bilderwelt übergeht und aus der Zerrissenheit der Worte das Gemälde einer Seelenlandschaft entsteht, dann hat uns die dichterische Phantasie auf eine ganz besondere Art berührt. Das macht die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff und ganz besonders ihr Versepos "Das Hospiz auf dem Großen St.Bernhard". Es ist eine Reise in die unendliche Kälte und Schroffheit einer feindlichen Bergwelt.

Verlassen und verirrt sucht ein alter Mann mit seinem kleinen Enkelkind verzweifelt einen Weg und erfährt an der Grenze von Leben und Tod die ganze Wucht der feindlichen Elemente. Dunkelheit, Kälte, Eis, Wasser und Geröll sind die ästhetischen Mitteln, die Droste-Hülshoff verwendet um ihr düsteres Gemälde der Trostlosigkeit zu malen. "Das Mondlicht, das mit kaltem Kusse, liebkoset dem versteinten Flusse", schreibt sie. Das rettende Hospiz von St. Bernhard ist der Sehnsuchtsort des Mannes mit dem Kinde. Doch nicht die Rettung finden sie, sondern eine Totengruft. "Du kannst nicht gehen, ich dich nicht tragen, ... So müssen wir das Letzte wagen und kehren bei den Toten ein....Am Boden schlummert das Gebein" sind seine unheimlichen Worte.

Doch in dieser düsteren Atmosphäre finden sie auch etwas Brot und Wein, das die Mönche zurückgelassen haben. Etwas gestärkt machen sie sich wieder auf den Weg, finden eine vereiste Brücke über einen reissenden Bach. Doch die Kräfte verlassen langsam den alten Mann und er droht einzuschlafen. Von unendlicher Verzweiflung überwältigt, lässt die Dichterin ihn seufzen, "O namenlose Todesqual! So nah, so nah dem Hospital!" Annette von Droste-Hülshoffs dichterisches Schaffen steht ganz im Übergang von der Romantik zum Realismus. Geboren 1797 auf dem Wasserschloss Hülshoff bei Münster schrieb sie schon mit 16 Jahren das Ritterepos Walther. Auch ihr Zyklus geistlicher Lieder ist berühmt für seine tiefe spirituelle Lyrik.

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